Wohlwollend auf sich und andere schauen
- Ruth Fischer

- 4. Dez.
- 2 Min. Lesezeit
Wohlwollend heißt, anderen Menschen mit einer offenen und fairen Haltung zu begegnen – auch dann, wenn ihr Verhalten uns gerade triggert oder irritiert.
Besonders in der Familie ist das nicht immer einfach. Da treffen Nähe, Erwartungen und alte Geschichten aufeinander.
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Erfahrungen, Prägungen und Herausforderungen, von denen wir oft nur einen kleinen Teil kennen. Was sich für uns vielleicht hart, abweisend oder grenzüberschreitend anfühlt, hat meist Gründe, die unter der Oberfläche liegen. Sich das bewusst zu machen, kann helfen, Dinge nicht sofort persönlich zu nehmen.
Mindestens genauso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – ist das Wohlwollen uns selbst gegenüber. Denn wie wir anderen begegnen, hängt stark davon ab, wie wir mit uns selbst umgehen. Wenn wir ständig streng mit uns sind, fällt es schwer, gelassen und verständnisvoll zu bleiben. Ein freundlicherer Blick nach innen schafft oft mehr Ruhe als jede Diskussion im Außen.
Wohlwollen bedeutet dabei nicht, alles hinzunehmen oder eigene Grenzen zu ignorieren.
Wenn du merkst, dass dein Blick auf dich selbst oder auf andere gerade sehr streng ist, halte einen Moment inne.
Stell dir vor, diese Stimme läuft wie ein Radiosender im Hintergrund.Du musst ihn nicht ausschalten; aber du darfst leiser drehen.
Atme einmal tief ein und aus. Dann sag dir innerlich:„So würde ich nicht mit jemandem sprechen, den ich mag.“
Formuliere den Gedanken anschließend bewusst neu – nicht positiv, sondern fair.
Zum Beispiel:
aus „Das reicht nicht“ wird „Ich habe mein Bestes mit dem gemacht, was gerade da war.“
aus „Ich bin zu sensibel“ wird „Ich nehme Dinge fein wahr.“
Zum Abschluss frag dich gerne:„Was würde ich mir gerade sagen, wenn ich auf meiner Seite stünde?“
So heißt es vielmehr, weniger schnell zu urteilen – über andere und über uns selbst. Mit dieser Haltung wird das Miteinander oft entspannter, ehrlicher und leichter.
Am Ende verändert Wohlwollen vielleicht nicht sofort die Situation. Aber es verändert unsere Haltung.




